Back 2 the Roots

04.07.2013 09:49

Heute habe ich mir mal wieder meine Pumping Iron-DVD eingelegt: Arnold, Lou und all die anderen beim gemeinsamen Training im Gold's Gym...einfach immer wieder schön. Doch so sehr mich diese Bilder auch erfreuen, so erfüllen sie mich auch ein Stück weit mit Melancholie. So sollte es in einem Gym aussehen, so sollte der Zusammenhalt sein, das gegenseitige Anfeuern, das Hochpeitschen zu neuen Bestleistungen - eine gesunde Konkurrenz, eine produktive Konkurrenz und eine Atmosphäre, die genau das noch fördert.

Leider sieht die Realität in den meisten kommerziellen Studios heute anders aus. Leistungstrainierende sind hier kaum noch zu finden, sie wurden verdrängt, rausgeekelt, abgeschoben. Hier und da trainiert ein einzelner ambitionierter Athlet vor sich hin, misstrauisch beäugt von dem Rest der Mitglieder. Niemand der ihn motiviert, niemand der ihn anfeuert, niemand der ihm hilft das Letzte aus ihm herauszukitzeln. Und vor allem: niemand der ihm Antworten auf die Fragen geben kann, die er stellt. Er ist schlichtweg kein Bestandteil der Zielgruppe, für die die Trainer ausgebildet werden. Er ist auf sich gestellt, allein, ungeliebt, teils gar geächtet.

Wirklich gute Athletenschmieden sind rar. Auf ein Hardcoregym kommen unter Garantie fünf Filialen einer Discount-Kette, zwei Wellnesstempel und drei Reha-Zentren. Und diese drängen die Studiobesitzer, die ihr Gym mit Herzblut leiten, mehr und mehr an den Abgrund. Sicher, andere sind billiger, haben immer geöffnet und haben Solarien, die einen nicht nur mit einem seichten Nebel voller Duftaromen bestäuben, sondern Dir auf Wunsch sogar noch einen von der Palme wedeln. Schöne neue Bergwelt...

Braucht man all das? 24/7 geöffnet - toll, doch nutze ich das? Schichtarbeiter mal außen vor, aber wer geht schon Sonntag morgens um 4.30 Uhr ins Studio? Ich bin neben meinem Hauptgym zusätzlich noch ein einer großen Kette angemeldet. Die Besuche im letzten Jahr kann ich mit zwei Händen abzählen. Dann der Preis: Sicher, Geiz ist geil, doch ich suche nach preiswerten Dingen, nicht nach billigen. In meinem Hauptgym zahle ich das Doppelte von dem, was die gängigen Discounter bieten, doch jeder Cent davon ist gut angelegt. Die Atmosphäre, die geprägt ist von Menschen, die meine aufrichtige Liebe zum Eisensport teilen, die familiär ist, motivierend und leistungsfördernd, allein für sie lohnt es etwas tiefer in die Tasche zu greifen, von den weiteren Annehmlichkeiten eines richtigen Gyms wie schweren Kurzhanteln, ausreichend schwere Scheiben usw. wollen wir erst gar nicht reden. Dafür nehme ich gerne eine etwas längere Anfahrt in Kauf.

Doch der wichtigste Punkt: Ich habe das Gefühl in einem Gym zu sein, nicht auf der Karnevalsfeier einer Irrenanstalt. So witzig das Unterhaltungsprogramm in den großen Discountketten auch sein mag, so sehr es verführt einmal Montags abends mit Klappstuhl und Popcorn einzulaufen um das Treiben in vollen Zügen auszukosten: auf Dauer nervt es! Klar: Kopfhörer rein und die Außenwelt ignorieren. Das geht sicher, aber auf Dauer ist es auch nicht das, was mich wirklich befriedigt. Ein Gym sollte ein Ort sein, an dem sich Gleichgesinnte treffen. Nicht primär um ihre sozialen Kontakte zu pflegen, sondern dafür sich gegenseitig den Arsch aufzureißen.

Ein Gym sollte ein Ort sein, an dem man sich wohl fühlt. Ein Ort, der einen schon beim Eintreten mit positiver Energie erfüllt. Dafür braucht es nicht viel, nur die richtigen Menschen.

In letzter Zeit habe ich mit Freuden registriert, dass einige neue Gyms aus dem Boden geschossen sind, die sich diesem Anspruch verschrieben haben, die ernsthaften Athleten eine Heimat bieten wollen. Ich wünsche ihnen allen Erfolg dieser Welt. Denn das braucht unser Sport: Studios, die den Sportlern eine Heimat geben, die sie motiviert, die eine gemeinsame Identität stiftet, durch Studiomeisterschaften, durch sonstige Events, durch gemeinsame Reisen zu Wettkämpfen um die Kameraden anzufeuern und vor allem, die von Leuten geführt werden, die das Eisenspiel so sehr lieben wie wir!